Zuhören klingt selbstverständlich – und doch ist es eine Kunst.
Im Alltag hören wir oft nur die Worte. Systemisches Zuhören aber geht tiefer: Es nimmt Pausen wahr, Körpersprache, Tonfall. Es hört zwischen den Zeilen.
Genau hier entsteht die eigentliche Magie von Coaching und Beratung: Menschen fühlen sich nicht nur verstanden, sondern wirklich gesehen.
Warum systemisches Zuhören anders ist
Im klassischen Gespräch warten wir oft nur darauf, selbst etwas sagen zu können. Systemisches Zuhören funktioniert anders:
- Es ist absichtslos – nicht um zu antworten, sondern um zu verstehen.
- Es ist offen – auch für das, was unausgesprochen bleibt.
- Es ist verkörpert – Zuhören geschieht nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Nervensystem.
Die Psychologie zeigt: Schon die Art, wie jemand zuhört, wirkt regulierend. Ein ruhiges Gegenüber beruhigt das Nervensystem – genau wie ein gestresstes Zuhören Unruhe verstärkt.
Zwischen den Zeilen – was das bedeutet
Systemisches Zuhören achtet auf:
- Körpersignale: ein Zucken, ein Atemzug, ein Blick weg vom Thema
- Emotionale Untertöne: ein Lächeln, das Schmerz verdeckt
- Pausen: oft sagt das Schweigen mehr als die Worte
- Metaphern: die Bilder, die jemand wählt, zeigen seine innere Welt
So entsteht ein Bild, das größer ist als die Worte allein.
Praktische Techniken des Zuhörens
Im Coaching nutze ich u. a.:
- Aktives Spiegeln: „Ich habe gehört, dass …“ – nicht als Technik, sondern als echtes Feedback.
- Verlangsamung: Pausen zulassen, damit Worte nachwirken können.
- Offene Fragen: nicht sofort deuten, sondern neugierig bleiben.
- Körperpräsenz: auch die eigene Haltung und Atmung wirken mit.
Warum Zuhören Veränderung schafft
Wenn jemand wirklich gehört wird, entspannt sich das Nervensystem.
Neue Gedanken dürfen auftauchen, alte Gefühle finden Platz. Vivian Dittmar spricht vom „emotionalen Durchfühlen“ – etwas, das nur geschieht, wenn Raum dafür da ist.
Das ist auch der Unterschied zu Gesprächen mit Freund:innen: Dort kommen oft gut gemeinte Ratschläge – manchmal sogar Rat-Schläge. Im Coaching geht es dagegen um Vertrauen: Dass du selbst die Lösung findest. Hilfe zur Selbsthilfe.
Dieses Selbst-Verkörpern ist entscheidend. Denn nur was du selbst erlebst, speichert dein Nervensystem ab – und steht dir im Alltag wirklich zur Verfügung.
Fazit: Zuhören als Kunst der Begegnung
Systemisches Zuhören heißt, mit dem ganzen Menschen in Kontakt zu sein – nicht nur mit den Worten.
Es ist die Kunst, zwischen den Zeilen zu hören – und damit Räume zu öffnen, in denen echte Veränderung möglich wird.
Weiterlesen
- Die Magie der systemischen Frage
- Wenn nichts mehr passt: Wie systemisches Coaching neue Räume öffnet
Quellen (optional)
- Dittmar, V. (2016): Der emotionale Rucksack.
- Schlippe, A. v. & Schweitzer, J. (2016): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung.





